Beitrag in Schau.Spiel, der Verbands- und Fachzeitschrift des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. , Ausgabe 3/2013, Jahrgang 27

Im Mittelpunkt der temporeichen Eigenproduktion von Annette Müller steht die eine entscheidende Frage: Wie kann der Mensch in der heutigen Gesellschaft seinen Platz im Leben finden? Eine Frage, die man sich immer wieder neu stellt und beantwortet, ein daueraktuelles Thema sozusagen, wobei es für jeden andere, individuelle Antworten liefert. Eine Frage, die in den verschiedensten Lebens- und Alterssituationen eine tragende Rolle spielt, dementsprechend aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet werden kann.

Perspektivenwechsel war auch die Ursprungsidee, aus der das assoziative Stück „Kauf dich glücklich!“ entstanden ist, das die Regisseurin Annette Müller mit ihrer 17-köpfigen Schauspieler-Truppe auf die Beine gestellt hat. Auch wenn es der Titel verspricht, steht das Thema der heutigen Konsum-, Luxusproblem- und Wegwerfgesellschaft nicht allein im Fokus der Inszenierung. Dafür wird eine Fülle von essenziellen Fragestellungen thematisiert, mit denen sich jeder Mensch zu irgendeinem Punkt in seinem Leben auseinandersetzen muss. Es geht um Träume, Wünsche, Hoffnungen aber auch um Ängste, Unsicherheiten und die eigene innere Zerrissenheit.

„Jeder Mensch darf sich selbst erfinden“, sagt einer der Schauspieler auf der Bühne und bringt auf den Punkt, worum es der Regisseurin in ihrem Stück geht: „Es geht mir darum, dass es nicht die vorgegebenen Äußerlichkeiten sind, die alles Entscheidende ausmachen. Es geht mir um die Verletzlichkeit des Menschen, der nicht alles im Griff haben kann. Der schnell in einem ‚zu viel drin ist und dort seinen eigenen individuellen Weg zu sich selbst finden muss“. Und das bringen die 12 Jugendlichen und 5 Erwachsenen in der Stadthalle Sulz auf die Bühne. In 20 Szenen ziehen sie das Publikum in einem Affenzahn in einen Strudel aus Musik, Farben, Lichtern, Videoprojektionen, Tänzen, Monologen und Themen. Schaffen mit einem simplen Bier-Baukasten-Modell einfache Szenenwechsel für ihre minimalistischen Bühnenbilder, die von den Schauspielern in ihrer Variabilität ausgespielt werden.

Das Theater im Gewölbe Offenburg (ThiG) hat sich mit seiner Eigenproduktion, die im Februar dieses Jahres Premiere feierte, beim Lamathea gegen 17 Mitbewerber durchsetzen können und hat den Preis in der Kategorie „Theater mit soziokulturellem Hintergrund“ gewonnen. „Der Preis ist für uns ein Geschenk“, sagt Müller. Aber nach dem Stück ist für die Theaterbegeisterte vor dem Stück. Pläne für die nächste Inszenierung zur Thematik der Organspende laufen, 2014 soll die nächste Produktion im ThiG Uraufführung feiern und lässt bereits jetzt viel erwarten.

Katharina Weiss