Inszenierung im Stil einer Reality-Show/Am 9. Februar ist Premiere im Salmen

 

Artikel vom 31. Januar 2017 in Baden Online

In zwei Wochen ist Premiere: In »Die Show des Lebens« zeigt das Theater im Gewölbe sieben Porträts der Einsamkeit. Verpackt werden die ursprünglichen Monologe in einer Art »Herzblatt«-Schau. Auch wenn nach dem »elendigsten Leben« gesucht wird – es soll nichts ins Lächerliche gezogen werden.

»Am schwierigsten war es zu kürzen«, sagt Miriam Lemdjadi. Denn die Texte, die »Der Show des Lebens« zugrundeliegen, sind lange Monologe. Das Theater im Gewölbe (ThiG) hat die Porträts von Ingrid Lausunds »Ich bin nebenan – Monologe für zuhause« allerdings weiter dramatisiert. »Ich wollte, dass mehr gespielt wird«, erklärt die Theaterpädagogin, die mit dem Ensemble das Stück erarbeitet hat. Vor gut einem Jahr hat sich das Amateurtheater dafür entschieden, die verschiedenen Leben zu zeigen – und zwar mit einer eigenen Note.

TV-Show als Rahmen
Ein bisschen absurd wirken sie, die traurigen Schicksale, die im Salmen gezeigt werden. Sie berichten von Verzweiflung, Einsamkeit und Scheitern. »Starker Tobak«, sagt Lemdjadi. Andererseits bieten sie eine Nabelschau, wie Menschen sie gern mögen; genau deshalb wird eine Art TV-Schau zum Rahmen für die Personenporträts. Es ist eine Mischung aus Realityshow und der großen alten Fernsehshow – gesucht wird »der Kandidat mit dem elendigsten Leben«. Dabei wird das Publikum gleich zwei Mal zum Zuschauer: zum einen im Theater, zum anderen der Live-TV-Show.

»Keine Angst, man muss nicht mitmachen«, beruhigt Lemdjadi: Wenn das Täfelchen »Klatschen« gezeigt wird, wäre es natürlich nett, wenn die Zuschauer dies auch tun. Wer mag, kann sich an einer Stelle noch ein bisschen einbringen, aber ein Muss ist das nicht. »Retro und doch aktuell«, nennt sie ihre Inszenierung.

Was die Schicksale angeht: »Es wird nichts ins Lächerliche gezogen«, sagt Lemdjadi. Bedient wird aber die Neigung, sich mit dem Leid und Schmerz anderer zu unterhalten. »Hier kann man dies ohne schlechtes Gewissen tun, weil kein wirkliches Schicksal dahinter steht«, sagt die Regisseurin. Auch die Schauspieler halten laut Lemdjadi Distanz zu den Figuren. »Wir wollen weg vom psychologischen Spiel«, erklärt sie. In diesem Fall will sie keine Verschmelzung der Darsteller mit den Figuren – sie wollen vielmehr »so tun als ob«.

Auch ein Chor dabei
Nach griechischer Tradition richtete die 29-jährige gebürtige Zell-Weierbacherin, die das Grimmelshausen-Gymnasium besuchte, einen Chor ein: »So haben wir nochmals eine zusätzliche Stimme zum Kommentieren oder Erzählen, ohne eine Figur zu brauchen.« Sie lebt inzwischen in Riegel und arbeitet in Projekten, auch mit Jugendlichen. Dass sie beim ThiG den Zuschlag bekommen hat, freut sie auch wegen der Schauspieler: Die Erwachsenen seien sehr motiviert – und das von ganz allein. Sie freut sich über »viel Input«. Die Truppe hat zudem drei Neuzugänge, die zum ersten Mal mit dem ThiG auf der Bühne stehen. Einen Livemusiker gibt es überdies; er spielt nicht nur auf seinem Instrument, sondern muss auch schauspielern. Lemdjadi hat damit eine weitere Figur geschaffen, um längere Monologe aufzubrechen.

Mit den Proben ist man gut vorangekommen, jetzt fiebern alle der Premiere am Donnerstag, 9. Februar, entgegen. Schief gehen kann eigentlich nichts mehr, außer mit der Technik. Alles andere sei bestens vorbereitet, versichert Lemdjadi: »Ich habe dieses Mal nicht bis zur letzten Minute gewartet, denn im April kommt mein zweites Kind.«

TERMINE: Aufführungen sind am Donnerstag, 9., Freitag, 10., und Samstag, 11. Februar, um jeweils 20 Uhr im Salmen.

Autor:
Bettina Kühne